14. Oktober 2012

2012-10-14 Klettern im schönen Bielatal


 Es gibt Tage, denen man besonders entgegenfiebert, und der 14. Oktober war sicher einer davon. Ganze vier Wochen war ich, durch meinen „überfälligen" Ausflug in die Schlucht des AW am Vexierturm an Gips und Krücken gefesselt, am Klettern gehindert worden. Mit einem Mittelfußbruch klettert es sich nun mal nicht ganz so gut. Und so war ich genug mit Thrombosespritzen beschäftigt und damit mich bemitleiden zu lassen. Im Übrigen lassen sich diese Spritzen im leicht oder fortgeschritten alkoholisierten Zustand selber durchaus schlecht setzen… Das muss auch mal gesagt werden.
Nun hatte ich einen Tapeverband und durfte nach Angaben des Arztes den Fuß sogar mit 20kg teilweise belasten - also quasi ein Freifahrtsschein für intensive Klettererlebnisse!
Ein trüber, recht kalter und windiger Tag legte sich übers Land, als wir uns im Bielatal trafen. Anne, Basti & Tinchen nebst ihrem Münchener Gast, genauer gesagt war es eine Gästin Lena, und zuletzt Ulf erschienen. Mir wurde schnell klar, dass wenigstens allein schon der Rucksack einen guten Teil der 20kg Teilbelastung ausmachen würde, aber egal, ich bin lustig mit Krücken hinterher gehumpelt!
Ein kalter Wind pfiff durch unser Basecamp am Chinesischen Turm und tatsächlich, der Fuß passte wieder in den Kletterschuh. Letzte Bedenken waren damit aus dem Weg geräumt. Inzwischen waren noch Denise und Bobby nebst Klein Timmi erschienen und wurden freudig begrüßt.
Nach einigem Überlegen entschieden wir uns zunächst für den Hallenkopf, sogar das Vorsteigen funktionierte wieder. Basti und Ulf folgten und so hatten wir hoch oben eine gute Aussicht auf die nächsten Ziele. Tinchen und Lena machten derweil noch Trockenübungen am Boden, Sichern, Abseilen und dergleichen, denn Lena war neu im Sächsischen Fels und zudem auch 13 Jahre nicht mehr klettern gewesen.
Danach wurde sofort der Hallenstein in Angriff genommen, der fehlte Ulf und mir sogar noch! Also wieder die grüne nasse Einstiegswand hinauf und den Nordwestweg zum Gipfel, eine schöne Zwei. Inzwischen hatte ich den Tapeverband schon fast völlig  vergessen. Anne war nun endlich auch dabei (Anmerkung von Anne: Ich hatte vorher Tinchens Handgelenk noch getaped.
Inzwischen sahen wir Denise in der Ostwand der Schiefen Zacke hängen, sicher einer der fotogensten und schönsten Wege da im Eck. Souverän stieg sie, von Bobby gesichert, empor und spontan wollten wir anderen auch dabei sein! Nacheinander stiegen Anne, ich, Ulf, Bobby und Basti die Ostwand und alle machten eine gute Figur dabei. Ich war unendlich froh eine V bereits wieder nachsteigen zu können. Auf dem Gipfel kam sogar die Sonne heraus und wärmte uns weiter. Hervorzuheben war das lustige Sicherungschaos auf dem Plateau und was sich nach Bastis Ausstieg zum eigentlichen Gipfel, der Zacke, abspielte. Er rief "Bin oben, könnt aussichern!". Allerdings hatte ihn vorher keiner reingenommen…! (Wieder Anmerkung von Anne: Wer einfach losrennt ohne zu schauen, ob man gesichert wird, hat Pech.
Eine längere Mittagspause in der Sonne sollte also besser folgen. Gummibärchen mussten dran glauben.
Anne hatte den Mandarin noch nicht und so beschlossen wir den noch abzuhaken, aber der AW kam natürlich nicht infrage. Wir entschlossen uns für den Ostriß und das war keine schlechte Wahl. Bobby kam noch nach und so saßen wir zu dritt oben.
Langsam verabschiedeten sich Denise, Bobby und Timi. Inzwischen, das muss man sagen, waren zweibeinige Eichhörnchen beim Naschen und Knabbern zu beobachten und das muss auch Bobby inspiriert haben. Er kam noch mal zurück geschlichen und bat mit leiser Stimme „Ist mir zwar peinlich, aber habt ihr noch paar geschnittene Apfelspalten für mich?" Ja, er schob es auf Timi…
Obwohl der Nachmittag schon heranrückte, entschieden wir uns noch weiter zu klettern. Den Großvaterstuhl hatten einige noch gar nicht! Schwupps hinauf, übers Feld, Äpfel kosten und hinab zum Felsen- Lena, Anne, Tinchen & Basti sowie Ulf und ich waren noch dabei.
Die Vorbereitungen liefen, der Gipfel ward auserkoren- für Anne's „hundersten Vorstiegsgipfel"! Gesichert von mir, ging es die Rampe, dann die Querung und den recht eigenartigen Kamineinstieg zum Gipfel hinauf. Eine super Leistung von ihr! Solo folgten Tinchen und Basti, sowie Ulf und ich nach. Hinterher konnte ich nur den Kopf über mich schütteln, free solo- mit 20kg Teilbelastung und noch ein wenig unsicher stehend muss man den Weg nicht seilfrei machen- der Abgrund grinst und wartet da.
Hoch oben feierten wir Anne's Gipfelsieg, unten dann mit einem Zigarillo und Bierchen, welches ausgerechnet Ulf als Polizist im Rucksack mitgebracht hatte.
Einige schöne Fotos entstanden an jenem trüben Nachmittag hoch über der Ottomühle.
Am Wandfuss verabschiedeten wir uns, während Anne mit Tinchen und Basti der Ottomühle zustrebte, patschten Lena und Ulf mit mir übers Feld zurück und machten uns schlussendlich so richtig dreckig. Sogar die verschrumpelten und seltsamen wilden Äpfel schmeckten jetzt gut.
Ein wunderschöner und lustiger Klettertag neigte sich dem Ende.

Matze



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1 Kommentar:

  1. Hi Anne, ich habe alles gelesen.
    Ein schönes Hintergrundbild hast Du jetzt und schöne Fotos!
    W. von den "Streifenhörnchen"

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