Es gibt Tage,
denen man besonders entgegenfiebert, und der 14. Oktober war sicher einer
davon. Ganze vier Wochen war ich, durch meinen „überfälligen" Ausflug in
die Schlucht des AW am Vexierturm an Gips und Krücken gefesselt, am Klettern
gehindert worden. Mit einem Mittelfußbruch klettert es sich nun mal nicht ganz
so gut. Und so war ich genug mit Thrombosespritzen beschäftigt und damit mich
bemitleiden zu lassen. Im Übrigen lassen sich diese Spritzen im leicht oder
fortgeschritten alkoholisierten Zustand selber durchaus schlecht setzen… Das
muss auch mal gesagt werden.
Nun hatte ich
einen Tapeverband und durfte nach Angaben des Arztes den Fuß sogar mit 20kg
teilweise belasten - also quasi ein Freifahrtsschein für intensive
Klettererlebnisse!
Ein trüber, recht
kalter und windiger Tag legte sich übers Land, als wir uns im Bielatal trafen. Anne,
Basti & Tinchen nebst ihrem Münchener Gast, genauer gesagt war es eine
Gästin Lena, und zuletzt Ulf erschienen. Mir wurde schnell klar, dass
wenigstens allein schon der Rucksack einen guten Teil der 20kg Teilbelastung
ausmachen würde, aber egal, ich bin lustig mit Krücken hinterher gehumpelt!
Ein kalter Wind
pfiff durch unser Basecamp am Chinesischen Turm und tatsächlich, der Fuß passte
wieder in den Kletterschuh. Letzte Bedenken waren damit aus dem Weg geräumt. Inzwischen
waren noch Denise und Bobby nebst Klein Timmi erschienen und wurden freudig
begrüßt.
Nach einigem
Überlegen entschieden wir uns zunächst für den Hallenkopf, sogar das Vorsteigen
funktionierte wieder. Basti und Ulf folgten und so hatten wir hoch oben eine
gute Aussicht auf die nächsten Ziele. Tinchen und Lena machten derweil noch
Trockenübungen am Boden, Sichern, Abseilen und dergleichen, denn Lena war neu im
Sächsischen Fels und zudem auch 13 Jahre nicht mehr klettern gewesen.
Danach wurde
sofort der Hallenstein in Angriff genommen, der fehlte Ulf und mir sogar noch! Also
wieder die grüne nasse Einstiegswand hinauf und den Nordwestweg zum Gipfel,
eine schöne Zwei. Inzwischen hatte ich den Tapeverband schon fast völlig vergessen. Anne war nun endlich auch dabei (Anmerkung
von Anne: Ich hatte vorher Tinchens
Handgelenk noch getaped.
Inzwischen
sahen wir Denise in der Ostwand der Schiefen Zacke hängen, sicher einer der
fotogensten und schönsten Wege da im Eck. Souverän stieg sie, von Bobby
gesichert, empor und spontan wollten wir anderen auch dabei sein! Nacheinander
stiegen Anne, ich, Ulf, Bobby und Basti die Ostwand und alle machten eine gute
Figur dabei. Ich war unendlich froh eine V bereits wieder nachsteigen zu
können. Auf dem Gipfel kam sogar die Sonne heraus und wärmte uns weiter. Hervorzuheben
war das lustige Sicherungschaos auf dem Plateau und was sich nach Bastis
Ausstieg zum eigentlichen Gipfel, der Zacke, abspielte. Er rief "Bin oben,
könnt aussichern!". Allerdings hatte ihn vorher keiner reingenommen…! (Wieder
Anmerkung von Anne: Wer einfach losrennt
ohne zu schauen, ob man gesichert wird, hat Pech.
Eine längere
Mittagspause in der Sonne sollte also besser folgen. Gummibärchen mussten dran
glauben.
Anne hatte den
Mandarin noch nicht und so beschlossen wir den noch abzuhaken, aber der AW kam
natürlich nicht infrage. Wir entschlossen uns für den Ostriß und das war keine
schlechte Wahl. Bobby kam noch nach und so saßen wir zu dritt oben.
Langsam
verabschiedeten sich Denise, Bobby und Timi. Inzwischen, das muss man sagen,
waren zweibeinige Eichhörnchen beim Naschen und Knabbern zu beobachten und das
muss auch Bobby inspiriert haben. Er kam noch mal zurück geschlichen und bat
mit leiser Stimme „Ist mir zwar peinlich, aber habt ihr noch paar geschnittene
Apfelspalten für mich?" Ja, er schob es auf Timi…
Obwohl der
Nachmittag schon heranrückte, entschieden wir uns noch weiter zu klettern. Den
Großvaterstuhl hatten einige noch gar nicht! Schwupps hinauf, übers Feld, Äpfel
kosten und hinab zum Felsen- Lena, Anne, Tinchen & Basti sowie Ulf und ich
waren noch dabei.
Die
Vorbereitungen liefen, der Gipfel ward auserkoren- für Anne's „hundersten
Vorstiegsgipfel"! Gesichert von mir, ging es die Rampe, dann die Querung
und den recht eigenartigen Kamineinstieg zum Gipfel hinauf. Eine super Leistung
von ihr! Solo folgten Tinchen und Basti, sowie Ulf und ich nach. Hinterher
konnte ich nur den Kopf über mich schütteln, free solo- mit 20kg Teilbelastung
und noch ein wenig unsicher stehend muss man den Weg nicht seilfrei machen- der
Abgrund grinst und wartet da.
Hoch oben
feierten wir Anne's Gipfelsieg, unten dann mit einem Zigarillo und Bierchen,
welches ausgerechnet Ulf als Polizist im Rucksack mitgebracht hatte.
Einige schöne
Fotos entstanden an jenem trüben Nachmittag hoch über der Ottomühle.
Am Wandfuss
verabschiedeten wir uns, während Anne mit Tinchen und Basti der Ottomühle
zustrebte, patschten Lena und Ulf mit mir übers Feld zurück und machten uns
schlussendlich so richtig dreckig. Sogar die verschrumpelten und seltsamen
wilden Äpfel schmeckten jetzt gut.
Ein
wunderschöner und lustiger Klettertag neigte sich dem Ende.
Matze
https://picasaweb.google.com/AnneKratina/20121014KletternImBielatal?authuser=0&authkey=Gv1sRgCIrW_-H98ZeQ2gE&feat=directlink
Hi Anne, ich habe alles gelesen.
AntwortenLöschenEin schönes Hintergrundbild hast Du jetzt und schöne Fotos!
W. von den "Streifenhörnchen"